Highway Blues

Posted in: Asien Deutsch Feb 27 2018

Fast 2 Wochen verbrachte ich in Bangkok. Danach hatte ich den Entschluss gefasst alles der Ostküste von Thailand runter nach Malaysia zu radeln. Da ich nicht so ein Beach Boy bin und touristische Orte wenn immer irgendwie möglich versuche zu vermeiden, fiel mein Entschluss bald auf den Asian Highway 2 (AH2).

Der Asian Highway 2 (AH2) ist eine weit überspannende Verbindung im Asiatischen Fernstraßen-Projekt. Er führt mit einer Länge von 13.177 km von Denpasar in Indonesien bis Khosravi im Iran.

Somit stieg ich schon bald wieder in den Sattel. Die Fahrt durch Bangkok hindurch empfand ich nicht ganz so schlimm wie andere Velofahrer mir erzählt hatten. Aber im Vergleich zu Indien ist fast jeder Verkehr harmlos.

Meine erste Nacht verbrachte ich in einem Buddhistischen Tempel. Diese eignen sich ideal für eine Unterkunft, wenn man sein eigenes Zelt dabei hat. Ich durfte mein Zelt unter einem Ventilator aufstellen, was eine angenehme Abkühlung war. Selbst in der Nacht fielen die Temperaturen nicht unter 25°C.

Eigentlich sind Fernstrassen nicht so mein Ding zum Velofahren. Am liebsten habe ich verkehrsarme, abgelegene Schotterpisten. Hier in Thailand fand ich die Autobahn jedoch ideal, da sie über einen breiten Seitenstreifen verfügt.

Zudem sind die beiden Fahrtrichtungen durch einen grossen Graben voneinander getrennt, was die ganze Geschichte nochmals sicherer macht. Auf den engen Landstrassen ist oftmals hier in Thailand fast kein Platz für Velofahrer.

Mich nervte bloss die vielen Motorroller (Scooter) die hier einem auf der Spur entgegen kommen und man ständig ausweichen muss. Ein Phänomen, welches ich schon in ganz Südostasien beobachtet habe und enorm gefährlich finde.

Wegen der Hitze gestaltete ich meinen Tagesablauf ein wenig um. Eine Stunde vor Sonnenaufgang, um 5:00 Uhr, stand ich auf, packte meine Sachen zusammen und fuhr bei Sonnenaufgang los.

Gegen 11:00 Uhr, wenn es langsam richtig schön heiss wird, suchte ich mir meistens einen Schattenplatz unter einem der vielen Bushaltestellen, die am Strassenrand stehen.

Dort kochte ich dann meistens eine warme Mahlzeit. Für Vegetarier finde ich ist das Nahrungsangebot hier in Asien ziemlich dürftig. In den Supermärkten kriegt man jedoch gute Lebensmittel.

Anschliessend legte ich mich für eine Weile hin und radelte erst gegen 14:00 Uhr wieder weiter. Eine Stunde vor Sonnenuntergang, etwa um 17:30 Uhr, suchte ich mir dann einen Zeltplatz. So kam ich ziemlich gut vorwärts.

In Bangkok konnte ich meine Schwalbe Marathon Mondial Evo Reifen durch solche mit Drahteinlage ersetzen. Eines Morgens gab es plötzlich einen Schlag am Hinterrad.

Zuerst konnte ich nichts besonderes feststellen, merkte beim fahren jedoch, dass das Rad sich komisch anfühlte. Bei einer genaueren Kontrolle fand ich dann den Schaden: Speichenbruch.

Im Spiti Valley hatte ich schon einmal einen Speichenbruch auf der Seite wo das Kettenblatt montiert ist. Damals hatte ich das Problem kein passendes Werkzeug dabei zu haben mit dem ich das Kettenblatt hätte entfernen können.

Unterdessen habe ich mit Tom vom Veloladen Leuthold (www.veloladen-leuthold.ch) eine Lösung gefunden. Mit dem Stein Mini Cassette Lock Tool konnte ich die Speiche in kurzer Zeit austauschen. Vielen Dank Tom für den super Ratschlag!

Was mir an Thailand besonders gut gefällt ist die gute Infrastruktur. Im Abstand von einigen Kilometern findet man immer wieder Tankstellen die mit Shops, Toiletten und allem ausgestattet sind was man so braucht.

In den 7eleven Shops konnte ich immer frische Milch, Bananen und Schoggi erwerben. Ideal um mir ein richtige Müesli zusammen zu stellen zum Frühstück. Es ist schon mehr als 2 Jahre her seit ich das letzte Mal ein solch deftiges Müesli am Morgen essen konnte.

Die Landschaft entlang der Autobahn lässt sich eigentlich ziemlich einfach beschreiben. Meistens sieht man Palmöl-, Kokosnuss- oder Gummibaum Plantagen und dazwischen folgen immer wieder mal ein paar Ortschaften.

Auf meinem Seitenstreifen fühlte ich mich nach ein paar Tagen radeln wie in einer Endlosschleife eines guten Blues Stück. Alles zieht an einem vorbei und man kann die Seele ein wenig baumeln lassen.

Nicht immer ständig auf den Verkehr achten zu müssen oder ständig von Menschen angesprochen zu werden fand ich extrem erholsam. Die Thais sind freundlich und zurückhaltend, was ich sehr mag.

Mein Zelt stellte ich meistens in einer der vielen Plantagen am Wegrand auf. Diese bieten einen guten Sichtschutz und spenden angenehmen Schatten. Etwas, das man bei dieser Hitze gut gebrauchen kann.

Im Süden von Thailand hatte ich dann einen Entschluss zu fassen. Von Hat Yai aus musste ich mich entscheiden ob ich direkt an die Westküste nach Malaysia fahre oder über die Provinzen Pattani und Narathiwat weiter der Ostküste entlang radle.

Von Reisen in und durch die unter Notstandsrecht stehenden Provinzen im Süden Thailands an der Grenze zu Malaysia (Narathiwat, Yala und Pattani sowie Teile von Songkhla) wird eigentlich abgeraten.

Ich hatte mich bei einigen Einheimischen Velofahrern in Bangkok erkundigt und diese hatten mir versichert, dass ich hier durch reisen könnte solange ich auf der Hauptstrasse bleibe. Diesen Ratschlag befolgte ich dann auch.

Auffällig waren die vielen Checkpoints auf der Strecke mit den bewaffneten Polizisten und Soldaten. Von Afrika her war ich mir solche Bilder schon ein wenig gewöhnt. Meine Devise lautete: solange sie dich an den Checkpoints durchlassen fahre einfach weiter.

Erst fast ganz am Schluss wurde ich dann doch einmal von einem Polizeiauto gestoppt. Die Truppe bestand aus 5 Männern, die alle mit Maschinengewehren bewaffnet waren. Ihr Häuptling sprach gut Englisch und erklärte mir, dass sie mich bis zur nächsten Tankstelle eskortieren werden.

Dort angekommen schenkten sie mir Getränke, machten ein paar Fotos und meinten zum Schluss nur ich sollte das nächste Mal nicht alleine durch diese Gegend fahren. Zu keinem Zeitpunkt fühlte ich mich richtig bedroht.

In Tak Bai erreichte ich dann den Grenzübergang Taba. Von dort aus ging es in kurzer Fahrt mit der Fähre über den Golok Fluss rüber nach Malaysia. Zwar musste ich eine Zeit lang suchen, bis der Grenzübergang gefunden war aber der Prozess verlief dann reibungslos.

Velofahren in Thailand empfand ich als sehr angenehm. Besonders wegen der guten Infrastruktur. Jedoch hat in den letzten Jahren der Verkehr stark zugenommen. Die Menschen hier bewegen sich praktisch nur noch mit motorisierten Fahrzeugen.

So viele übergewichtige Menschen wie hier in Thailand habe ich schon lange nicht mehr in einem Land gesehen. Ein bisschen mehr Bewegung würde vielen hier bestimmt gut tun. Zudem hatte ich hier so viele Hundeattacken wie noch in keinem Land zuvor.

Ich musste mich mit Stock und Steinen bewaffnen um die Mistviecher vom Leib zu halten. Thailand hat definitiv ein riesiges Hundeproblem und deshalb war Velofahren für mich nicht immer ganz so einfach.

Was mir in guter Erinnerung bleiben wird ist die Freundlichkeit der Menschen hier in Thailand. Jetzt bin ich gespannt auf Malaysia. Ein absolutes Neuland für mich und einer meiner letzten Stationen bevor ich den Kontinent verlassen werde.