Iran Teil 3, Tabas- Sarakhs

Posted in: Asien Deutsch Aug 4 2011

Nach 3 Tagen in Yazd fuhren Tim, Time und ich am nächsten Tag mit dem Nachtbus nach Tabas und biwakierten dort im Park.

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Tabas war einst bekannt als “ das Juwel in der Wüste“. Sie ist die größte Oase im Iran. Besonders die Palmen Alleen verleihen dem 35000 Seelen Dorf einen speziellen Charakter. 1978 wurde der Ort durch ein massives Erdbeben erschüttert. 26000 Menschen starben dabei und der größte Teil der schönen architektonischen Bauten wurden zerstört. Zuerst besuchten wir am Morgen den heiligen Schrein des Bruders von Imam Reza.

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Es gibt zwei getrennte Eingänge zum Schrein. Wir durften als Ausländer bis zum Schrein vortreten. Gegen 10:00 Uhr war es bereits 47 Grad heiss. Wir flüchteten in den Bagh-e Golshan Garten, wo es ein wenig angenehmer war. Das Highlight im ganzen Garten waren die Pelikane und die Pflanzenwelt.

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Die Tageshöchsttemperatur stieg bis Mittag auf 54 Grad. Es war einfach für jegliche Aktivität viel zu heiss. Unter ein paar Palmen kochten wir ein leckeres Mittagessen und trotzten dem Wetter. Auf der Fahrt zum Bus Terminal blies ein starker Wind. Es fühlte sich an wie wenn man sich auf höchster Stufe mit dem Haarföhn ins Gesicht bläst. Nicht lustig! Wir freuten uns auf den klimatisierten Nachtbus nach Mashhad. Dummerweise waren unsere Sitze genau über dem Motor und so schwitzte ich auf der ganzen Fahrt. Ziemlich erschöpft kamen wir am nächsten Tag in der heiligsten Stadt dieses Landes an. Mit 3 Millionen Einwohnern ist sie zudem die zweit größte Stadt im Iran. 817 n. Chr. wurde hier der heilige Schrein für den achten Imam ( Imam Reza) errichtet. Es ist der einzige Imam, der im Iran gelebt hat. Jährlich pilgern über 20 Millionen Besucher hier hin um Imam Reza den Respekt zu erweisen. Insgesamt gibt es 12 Imams. Im Iran konzentriert sich alles hauptsächlich auf den ersten Imam, Ali, den dritten, Hossein und den achten, Reza. Imam Hossein und 72 seiner Anhänger wurden in Karbala ( Iraq) getötet. Am allerwichtigsten ist aber der zwölfte Imam, Mahdi oder auch bekannt unter dem Namen „Valiasr“ ( der Herrscher unserer Zeit). Man glaubt, dass er in einem Gefängnis unterhalb einer Mosche in Samarra seit 874 n.Chr. gefangen gehalten wird. Dem Glauben nach soll er möglicherweise eines Tages mit dem Propheten Jesus an seiner Seite zurück auf die Erde kommen und eine gerechte und friedliche Welt erschaffen. Ayatollah Khomeini erhielt nach seinem Tod ebenfalls den Titel eines Imams. Wenn man heute Leute über den Imam reden hört, ist meistens er damit gemeint. Seine Gedenkstätte steht in Teheran.
Nach einer längeren Suche fanden wir Valis Homestay. Dort konnten wir uns nach einer Woche Wüste erholen. Steve aus England, den wir bereits in Yazd getroffen hatten, war auch dort und zwei Stunden später trafen Jon und Michael ein. Die beiden sind in drei Monaten von England bis hier nach Mashhad gefahren und wollen bis nach Hong Kong weiter radeln. Mit ihrer Reise erhoffen sie sich ein wenig Geld für das Hilfswerk ‚ WaterAid‘ sammeln zu können (www.hongkongcycle.co.uk). Eigentlich wollten wir noch am selben Tag unsere Visas auf der turkmenischen Botschaft abholen. Aus irgend einem religiösen Festtag war die Botschaft jedoch geschlossen. So wurde uns klar, dass wir bis Montag unsere Zeit in dieser Stadt vertreiben müssen. Vali lud uns ein mit ihm am Sonntag eine Bergtour zu machen. Why not?! So fuhren wir mit dem Bus in das erste Bergdorf um dort eine Kleinigkeit zu essen. Valis Eltern sind in diesem Ort aufgewachsen. Per Anhalter ging es weiter. Auch hier lieben es die Einheimischen, wenn man ein paar Fotos von ihnen macht. Danach ging es auf 2500 M.ü.M, wo wir eine wunderbare Aussicht auf ein abgelegenes Bergtal hatten und Vali uns ein paar Informationen über die Region gab. Im Dorf gab es eine kleine Sightseeing Tour mit Teepause bei einer Bauernfamilie. Wonderful!

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Am Montag versuchten wir unser Glück erneut auf der turkmenischen Botschaft. Punkt halb Neun waren wir dort. Eine halbe Stunde später tauchte jemand von der Botschaft auf und verkündigte, dass heute keine Transit Visas ausgestellt werden. Ein weiterer Tag in Mashhad also. In einem nahe gelegenen Park hielten wir uns mit den iranischen Fitnessgeräten ein wenig auf der Stange.

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Diese lustigen Einrichtungen sieht man fast in jedem größeren Park hier im Iran. Bei dieser Gelegenheit lernten wir eine pakistanische Familie kennen, die uns zu Cay und Kuchen einluden. Bis spät am Abend verbrachten wir unseren letzten gemeinsamen Tag bei ihnen.
Am nächsten Morgen fuhren die Anderen weiter nach Turkmenistan. Da ich noch 20 Tage Zeit hatte, bis ich das Land verlassen durfte ( ich habe noch nicht so viel Übung mit Terminplanung auf Reisen), fuhr ich Richtung Nordwesten ans Kaspische Meer. Weil auch mein Geld langsam knapp wurde, versuchte ich möglichst viel im Zelt zu übernachten. Ich habe bei Vali endlich meinen lang gewünschten persischen Teppich gefunden.

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Dieser hat meine Lebensqualität auf dieser Reise erheblich verbessert. Jetzt kann ich jeden Abend mit dem Ding eine kleine Sitzgelegenheit vor meinem Zelt aufstellen und vor dem Schlafen gehen meine Schuhe darauf platzieren. Was für ein Luxus! Beim Aufstehen am Morgen kann ich darauf mein Morgenritual zelebrieren. Ich habe richtig Freude an diesem kleinen Kunstwerk bekommen. Bereits am zweiten Tag ging es richtig in die Berge. Am Morgen stehe ich mittlerweile immer gegen 4 Uhr auf und fahre dann gegen 5 Uhr, wenn die ersten Sonnenstrahlen kommen, los. Gegen 11 Uhr lege ich dann meistens eine 5 stündige Mittagspause ein. Da bleibt keine Zeit am Morgen etwas zu frühstücken. Ziemlich hungrig machte ich deshalb an diesem Tag 15 Kilometer vor Bojnurd einen kurzen Halt neben einem Lastwagen. Hossein, der Fahrer, hat früher bei der Air Force gearbeitet und sprach ziemlich gut Englisch er lud mich zuerst zu einem Frühstück in seinen Truck ein und anschliessend durfte ich den Rest des Tages bei seiner Familie verbringen. Sein Sohn züchtet auf dem Dach des Hauses Tauben und zeigte mir eine tolle Flugshow.

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Am Abend gingen wir mit der ganzen Familie in den Park zum Picknick. Die Iraner sind vermutlich Weltmeister in dieser Disziplin. Sobald die Abenddämmerung eintritt, strömen sie in riesigen Scharen in die Parks. Ironischerweise ist dies jedoch auch eine der wenigen Tätigkeiten, die ihnen von der Regierung in der Öffentlichkeit erlaubt wird. Für mich wurde es zunehmend anstrengend, da ich nun schon ziemlich viele dieser Mahlzeiten erleben durfte. Auf die eine Seite ist es einfach unglaublich, wie gastfreundlich diese Leute sind. Andererseits ist man nach 120 gefahrenen Kilometern einfach meistens viel zu Müde um noch gross mit Leuten zu unterhalten. Die Iraner essen erst gegen 22 Uhr und dadurch kam ich meistens erst spät ins Bett. Wenn man dann nach 4 Stunden Schlaf wieder aufs Velo steigen muss, ist das mit der Zeit auch einfach zu anstrengend. Nach Bojnurd habe ich mich deshalb entschieden, die restliche Zeit im Iran möglichst im Zelt zu verbringen. Auch der täglich mehrmals stattfindende Small Talk stieg mir langsam zu Kopf. Eigentlich ist dies schon verrückt: Man reist alleine durch die Weltgeschichte und wünscht sich plötzlich möglichst in Ruhe gelassen zu werden. Nach 350 Kilometern fiel die Bergstrasse in ein grosses Tal hinein. Hier war alles so grün, dass ich mir ein wenig wie in der Schweiz vor kam.

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Auch das Klima ist hier einiges angenehmer. Nur 40 Grad! Auf einmal tauchte ein Velofahrer am Horizont auf. Es war Jeremy, denn ich bereits in Yazd getroffen hatte. Da wir beide der Hitze davon radeln wollten, unterhielten wir uns nur kurz. In der Sommerzeit pilgern sehr viele Gläubige nach Mashhad. Dadurch sind am Abend fast in jeder Ortschaft bewachte Campingplätze vorhanden. In Gorgan entschloss ich mich nach 560 Kilometern auf einem solchen Platz ein Ruhetag einzulegen. Danach wollte ich erneut ein wenig in die Wüste fahren um dort die Mauer von Alexander dem Grossen zu besuchen. Auf persisch wird sie Sadd-e Eskander genannt. Alexander der Grosse wollte sein Reich durch den Bau dieser Mauer vor Angriffen von Norden her schützen. Für die iranische Welt symbolisiert sie das Ende der Zivilisation. Trotz grossem Bemühen und mehreren Befragungen bei der Bevölkerung konnte ich keinerlei Überreste finden. Nur grosse weite Wüste. Nach 30 Kilometer traf ich dafür zum ersten Mal auf Trudis Freunde.

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Gemütlich spazierten die Kamele über die Strasse. Auf dem weiterem Weg fuhr ich an riesigen Herden vorbei. Sie gehören oftmals zu den Turkmenischen Nomaden, die hier im Grenzgebiet während den Sommermonaten umher ziehen. Die Nacht verbrachte ich in einem Wald, wo tatsächlich während dem Nachtessen ein Gewitter aufzog. Herrlich! Ich genoss jeden Tropfen, der vom Himmel fiel. Am nächsten Tag ging es von Assad Shahr aus in das Alborz Gebirge. Zuerst kam ein langes grünes Tal mit massenhaft Reisfeldern.

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Alles wird hier in mühsamer Handarbeit aufgearbeitet. Die Strasse war ziemlich eng und schlängelte sich langsam die Berge hoch. Leider herrscht hier ziemlich viel Verkehr. Die Lastwagenfahrer waren extrem aggressiv. Weshalb sollte ich bald erfahren. Mehrmals stoppte mich die Polizei, die kein Wort Englisch sprach. Nach ein paar vergeblichen Versuchen mit mir auf Farsi zu kommunizieren mussten sie mich wieder weiter fahren lassen. Am Anfang war das noch ganz lustig, mit der Zeit wurde es aber sehr mühsam und lästig. Nach 60 Kilometern mit 10% Steigung waren meine Energiereserven auf dem Tiefpunkt. Zum Glück luden sie mich zu einer Tasse Cay ein. Das gab mir wieder Energie für die restlichen 5 Kilometer. Während dem trinken rauchten die Fahrer gemütlich ihr Opium, wie es das normalste auf dieser Welt wäre. Ich habe dies schon öfters im Iran erlebt. Dies ist auch der Grund, weshalb ich im Iran immer öfter von Fahrzeuglenkern von der Strasse gedrängt wurde. Die Fahrer stehen oftmals unter Drogen. Nach all meinen Erfahrungen muss ich sagen, dass aufgrund der vielen Verboten und strengen Polizeikontrollen die Kriminalität ein enormes Ausmass hat. Ich kann die Leute gut verstehen. Schliesslich leben sie hier in einem riesigen Gefängnis. Da versucht jeder sich irgendwie in eine andere Welt zu flüchten.
Erst gegen 20 Uhr kam ich auf der Passhöhe an. Bei Einbruch der Dunkelheit fand ich an einer Tankstelle Unterschlupf. Das Personal lud mich sogar zum Nachtessen ein. Todmüde fiel ich nach 130 Kilometern und 2500 Höhenmetern ins Bett. Am nächsten Tag fuhr ich nach Shahrud. Die Stadt liegt am Rande der Dasht-e Kavir Wüste. Langsam stiegen die Temperaturen wieder. Am Morgen war das Wetter noch relativ angenehm. Gegen Mittag setzte dann jeweils ein heftiger Gegen- oder Querwind ein. Nicht lustig! Eine Nacht durfte ich auf einer Rettungsstation übernachten. Die beiden Rettungssanitäter luden mich zum Abendessen ein . Sie studieren beide Anästhesie an der Uni in Teheran. Zuvor war ich an der Karawanserei Miyandasht vorbei gefahren.

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Sie ist eine der am besten erhaltenen und größten Karawansereien im Iran. Insgesamt besteht sie aus vier Teilen. Der Westteil bildet den ältesten Komplex, gleich daneben befindet sich die mittlere Karawanserei, welche am besten erhalten blieb. Hier wurde das Wasser unterirdisch gespeichert. Die Regierung hat es leider versäumt hier eine Rennovation vorzunehmen. Aufgrund ihres egoistischen Verhaltens lassen sie viele historische Bauten einfach zu Grunde gehen. Das habe ich im ganzen Land gesehen. Eine traurige Sache.
Als ich am nächsten Morgen mein Velo, das ich hinter dem Ambulanz Fahrzeug versteckt hatte, holen wollte war meine Tasche mit dem Essen aufgeschnitten und sämtlicher Inhalt weg. Das brachte bei mir das Fass zum überlaufen. Bereits zum dritten Mal wurde ich jetzt schon im Iran ausgeraubt. Ich hatte die Schnauze ziemlich voll und wollte das Land am liebsten auf direktem Weg verlassen. Leider kann ich aber erst am 28. Juli ausreisen. In den nächsten Tagen versuchte ich den Leuten möglichst aus dem Weg zu gehen und fuhr mit einer riesigen Wut im Bauch durch die Berglandschaft. Das half mir ziemlich. Dadurch kriegte ich ein enormes Tempo und absolvierte jeden Tag beinahe 140 Kilometer. Als ich in einem Park Mittagessen wollte, gesellte sich eine Familie zu mir. Wir unterhielten uns zuerst mit den üblichen Fragen: „How are You?“, „Where do you come from?“, „What’s your Idea about Iran?“ usw. Sie hatten drei Töchter. Zwei sind schon verheiratet und die Jüngste ist auch bald an der Reihe. Mit viel Eifer versuchten sie mir diese Tochter zur Heirat anzubieten. Ich brauchte ziemlich lange, bis ich ihnen erklären konnte, dass ich todmüde bin und momentan nur Schlafen möchte. Wenn alle Partnervermittlungen so ablaufen wie diese, dann werde ich niemals heiraten! Nach fast einer Stunde fuhren sie dann zu meinem Glück endlich weiter.
Am 18. Juli war ich bereits wieder in Valis Non- Smoking Homestay in Mashhad. Sieben Tage zu früh. Dort waren mittlerweile zwei weitere deutsche Radfahrer aus Köln eingetroffen. Herbert ist pensioniert und fährt als Testfahrer durch die Gegend (www.herbertborn.de).

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Phillip hat ihn in Teheran getroffen und zusammen fahren sie nun nach China. Die Zeit mit ihnen tat mir gut. So konnte ich mich ein wenig von den Ärgernissen erholen und erkannte, dass es trotz allen Übels, bisher eine tolle Zeit war. Auch die vielen Nachrichten aus der Heimat haben mir gut getan. Vielen vielen Dank an alle, die mich immer wieder unterstützen.
Mit ihnen zusammen besuchte ich den heiligen Schrein des 8. Imams Ali ibn Moosa Al- Reza. 770 n. Chr. kam er in Madina zur Welt und starb im Alter von 55 Jahren als Märtyrer in Khorassan. Für fast zwanzig Jahre war er der Mentor und Führer der muslimischen Welt gewesen. Er wurde genau an dem Ort verbrannt, wo heute sein Schrein steht. Dieser Ort wird heute Haram-e Razavi genannt. Die ganze Anlage kann es locker mit dem Vatikan in Rom aufnehmen. Sie ist eine eigene Stadt innerhalb Mashhads und braucht einige Stunden Zeit zum besichtigen. Sogar nicht muslimischen Leuten ist der Zutritt erlaubt. Einzig ganz im Zentrum dürfen nur muslimische Besucher eintreten. Man darf keinerlei Kameras oder Wertsachen auf sich tragen. Jedoch ist es erlaubt mit dem Natel Bilder zu schiessen. Frauen müssen einen Chador tragen ( langes, schwarzes Tuch) und separate Eingänge benutzen. Die Kuppel, sowie sämtliche Eingänge sind vergoldet. Im Innern ist die gesamte Decke mit Spiegel Mosaiken verkleidet. Ein imposanter Anblick. In Stosszeiten sind sämtliche Plätze ausserhalb des Schreins mit Gebetsteppichen ausgelegt. Insgesamt gibt es vier dieser Plätze, wobei jeder davon fast doppelt so gross wie der Bundesplatz in Bern ist. Im vorderen Bereich sitzen die Männer während die Frauen sich dahinter aufreihen. Sämtliche Türen und Pforten werden berührt und geküsst. Herbert wurde dank seines Aussehens zum Schrein vorgelassen. Er erzählte mir, dass die Leute darin völlig in Ekstase geraten und alle versuchen den Schrein zu berühren. Seinen Erzählungen zu Folge geht es dabei zu und her wie in einem Rugbyspiel. Von Spiritualität ist nicht mehr viel vorhanden. Für mich war es ein sehr eindrucksvolles Erlebnis.
Hier bei Vali treffen immer wieder neue Leute ein und so herrscht eigentlich nie Langeweile. Das ist auch gut so. Ich wüsste nicht, wie ich sonst meine letzte Woche im Iran totschlagen sollte. Schliesslich haben sich durch die Inflation die Preise dermaßen drastisch erhöht, dass mein Budget ziemlich aufgebraucht ist ( zur Zeit ist der aktuelle Preis 600% über dem Normalen). In Achmadineschads Wunderland gibt es einfach kein schlaues Finanzsystem. Zum Glück haben mir Tine und Tim 200 Dollars geliehen. So musste ich nicht am Hungertuch nagen.
Auch das vegetarische Essen von Valis Frau war köstlich. Am liebsten hätte ich sie gleich mitgenommen. Angeblich soll das Essen in Zentralasien für Vegetarier ein Alptraum sein.
Am Donnerstag kamen ein Vater mit seinem Sohn und einem Freund aus Schweden hier an. Sie fahren von ihrem Heimatland mit dem Velo bis nach Peking (www.thebigtrip.se).

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Adam aus Neuseeland traf am Samstag hier ein. Er hat 5 Jahre als Zimmermann in London gearbeitet und fährt jetzt auf Umwegen nach Hause. Wir wollen gemeinsam Turkmenistan durchqueren.
Der erste Tag Richtung Sarakhs war anfangs relativ flach. Gegen den Mittag hin setzte ein starker Gegenwind ein. Wir machten deshalb unter einem Felsen Siesta.

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Bis 16:00 Uhr hatte sich der Wind noch fast mehr aufgebaut. Wir hatten ziemlich Mühe vorwärts zu kommen. Zudem kam eine saftige Steigung dazwischen. Als es bereits anfing dunkel zu werden stoppte uns mal wieder die Polizei. Zum Glück konnten auch diese kein Englisch und liessen uns bald wieder weiter fahren. In einem ausgetrockneten Flussbett kampierten wir mitten in der Wüste. Der Sternenhimmel war einfach umwerfend hier draußen. Das habe ich noch nie in meinem Leben so intensiv gesehen. Fantastisch! Die letzten 85 Kilometer bis zur letzten Stadt im Iran legten wir in einem halben Tag zurück. Auch hier nervte uns die Polizei erneut: In einem Park wollten wir Siesta machen. Kaum hatten wir uns hingesetzt kam schon der erste Uniformierte und kontrollierte die Pässe. Sein Gesichtsausdruck verriet, dass er noch nie ein Visa gesehen hat. Er war ziemlich ratlos und konnte selbstverständlich kein Englisch. Auch sein Kollege war ein wenig desorientiert. Als wir dann nach einem Internet Café fragten nahm einer sein Funkgerät, sprach ein paar Wörter auf Farsi und kurze Zeit später standen zwei weitere Polizisten vor uns. Mit Händen und Füßen gaben sie zu verstehen, dass wir ihnen mit den Velos folgen sollen. Wir rechneten schon mit einem Nachmittag auf dem Polizeiposten. Sie führten uns jedoch zum Internet Café und reservierten zwei Plätze für die komischen Touristen. Das nenne ich mal einen anständigen Service! Wenn das bloss immer so gelaufen wäre. Jetzt sitzen wir im überteuerten Hotel und warten darauf die Grenze überqueren zu können.
Mein Fazit zum Iran: Ich wurde mit einer Gastfreundschaft überwältigt, die ich bisher auf meiner Reise noch nie erlebt hatte. Die Iraner/ innen sind definitiv Weltmeister im Picknicken und äußerst hilfsbereit. Leider hatte ich jedoch auch ein paar sehr ungemütliche Erlebnisse und der Verkehr war grauenhaft. Das hat mein positives Bild oftmals getrübt. Was sich die Regierung in diesem Land erlaubt ist haarsträubend und schlichtweg unbegreiflich. Religion und Politik gehören nicht auf die gleiche Bühne. Nach 58 Tagen bin ich froh, das Land verlassen zu können und wieder in Freiheit zu leben. Dank den Erfahrungen hier weiß ich nun, wie schön es sein kann in einer direkten Demokratie aufzuwachsen, wo Menschenrechte befolgt werden.
Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss: Da ich keinerlei Personen gefährden möchte, verzichte ich in sämtlichen Iran Berichten darauf Bilder von ihnen zu veröffentlichen.